Eigene Lösung (PBS) + Veeam + Acronis – Vergleich und 3-2-1-Strategie
Proxmox Backup Server (PBS)
PBS ist eine eigenständige Software – installierbar auf dedizierter Hardware, als VM oder Container, per eigenem Debian-basiertem ISO oder als Paket auf bestehendem Debian. Kommunikation mit Proxmox VE läuft über eine eigene API und den Client proxmox-backup-client.
Eigene, kostenlose Backup-Lösung von Proxmox – keine Lizenzkosten, Enterprise-Support ist optional als kostenpflichtiges Abo erhältlich
Deduplizierung und inkrementelle Backups auf Basis von Content-Defined Chunking: Daten werden in variabel große Blöcke (im Schnitt ca. 4 MiB) zerlegt und über SHA-256-Prüfsummen wiedererkannt
Schnelle, granulare Restores – ganze VM, einzelne Festplatte oder einzelne Datei aus dem Dateisystem-Backup-Format pxar heraus, direkt im PBS-Webinterface durchsuchbar
Sichert nicht nur VMs und Container, sondern per Agent auch physische Server sowie ganze Proxmox-VE- und PBS-Hosts selbst
Aufbewahrung über Regeln wie keep-daily, keep-weekly und keep-monthly (Grandfather-Father-Son-Prinzip), automatisch per Prune-Job durchgesetzt
🎧 Block 1: PBS – die eigene Lösung
Wie PBS spart
Nach dem ersten vollen Backup überträgt PBS nur noch geänderte Blöcke – bei QEMU-VMs erkannt über Dirty-Bitmaps, die der Hypervisor seit dem letzten Backup mitführt
Deduplizierung wirkt global über alle VMs, alle Nodes und alle Backup-Läufe hinweg im selben Datastore – ein Block, der in zehn ähnlichen Windows-VMs vorkommt, wird nur einmal gespeichert
Praxisbeispiel: Zehn nahezu identische Windows-Server-VMs mit je 40 GB belegtem Speicher benötigen ohne Dedup rechnerisch 400 GB, mit PBS-Dedup je nach Ähnlichkeit oft nur einen Bruchteil davon
Verify-Jobs prüfen periodisch die Prüfsummen aller gespeicherten Chunks und decken so stille Datenfehler (Bit Rot) auf, bevor sie beim Restore auffallen
Garbage Collection räumt nicht mehr referenzierte Chunks auf, sobald alte Backups per Prune-Regel gelöscht wurden – Speicher wird also erst nach dem nächsten GC-Lauf wirklich frei
Ergebnis: wenig Speicherbedarf, kurze Backup-Fenster – typische inkrementelle Läufe dauern oft nur Minuten statt Stunden
Veeam
Nativer Proxmox-Support seit Veeam Backup & Replication 12.1 (Anfang 2024) – vorher nur über Umwege möglich, ein klares Signal, dass der Marktführer Proxmox ernst nimmt
Bekannt und etabliert aus der VMware-Welt, viele Admins kennen die Konsole bereits aus jahrelangem Einsatz
Ein Werkzeug für die ganze gemischte Landschaft: VMware, Hyper-V, physische Server, Cloud-Workloads und Microsoft 365 laufen in derselben Konsole wie Proxmox
Application-aware Processing: konsistente Sicherung von Datenbanken und Exchange/SQL-Server inklusive Log-Truncation direkt aus dem Backup-Job heraus
Unterstützt unveränderliche (immutable) Backup-Repositories – wichtiger Ransomware-Schutz, den PBS über eigene Datastores und Sync-Jobs anders, aber vergleichbar löst
Kostenpflichtig, Lizenzierung meist pro Socket oder pro geschützter Instanz – für reine Proxmox-Neuumgebungen ohne bestehende Veeam-Basis selten die erste Wahl
🎧 Block 2: Veeam
Acronis
Agent-basiert – die Backup-Software wird einzeln in jeder VM installiert statt zentral am Hypervisor anzusetzen; das bedeutet mehr Verwaltungsaufwand pro Maschine, ermöglicht aber applikationsnahe Sicherung
Acronis Cyber Protect vereint Backup mit Antivirus, Anti-Ransomware und Patch-Management in einer Konsole – ein „Cyber Protection"-Ansatz statt reinem Backup-Werkzeug
Weniger tief in Proxmox integriert als PBS oder natives Veeam – Acronis ist plattformübergreifend gedacht, nicht Proxmox-spezialisiert
Lizenzierung meist pro geschütztem Workload (Agent), nicht pro Host – Kosten skalieren mit der Anzahl der VMs, nicht mit der Cluster-Größe
Für IT-Dienstleister, die Endgeräte und Kunden-Clients bereits über Acronis Cyber Protect Cloud verwalten, ist die Erweiterung auf Proxmox-VMs oft der pragmatische Weg, um kein weiteres separates Werkzeug einzuführen
Als Neuanschaffung ausschließlich für Proxmox selten die erste Wahl – als bereits vorhandenes Werkzeug, das man mitnutzt, durchaus sinnvoll
VeeamKostenpflichtig, nativer Proxmox-Support seit 12.1, stark bei gemischten Landschaften mit vorhandener Veeam-Basis
AcronisKostenpflichtig, agent-basiert, Cyber-Protection-Ansatz – sinnvoll, wenn bereits für Endgeräte im Einsatz
Kosten: PBS kostenlos (Enterprise-Support optional), Veeam und Acronis lizenzpflichtig, meist pro Socket bzw. pro Workload
Integrationstiefe und Restore-Tempo: PBS und natives Veeam liegen vorn, beide granular bis auf Dateiebene
Bare-Metal- und plattformübergreifende Sicherung: Domäne von Veeam und Acronis, PBS ist auf die Proxmox-Welt fokussiert
Passung richtet sich nach der jeweiligen Umgebung, nicht nach Vorliebe: reines Proxmox-KMU → PBS, gemischte oder größere Landschaft mit vorhandenem Veeam → Veeam, Acronis bereits im Einsatz → mitnutzen
🎧 Block 4: Vergleich & 3-2-1
3-2-1 & Konsistenz
3 Kopien der Daten, auf 2 verschiedenen Medien, davon 1 an einem anderen Ort – die Erweiterung „3-2-1-1-0" ergänzt eine unveränderliche/Offline-Kopie und null Fehler nach Verifizierung
Backup-Konsistenz sicherstellen: der qemu-guest-agent in der VM friert das Dateisystem kurz ein (Windows über VSS, Linux über fsfreeze), damit kein halb geschriebener Zustand gesichert wird
Offsite-Kopie in der Praxis: ein zweiter PBS an einem anderen Standort, angebunden per Sync-Job, der neue Chunks automatisch repliziert
Retention nach GFS-Prinzip planen, z. B. tägliche Backups 7 Tage, wöchentliche 4 Wochen, monatliche 12 Monate vorhalten
Restore regelmäßig testen – ein ungetestetes Backup ist nur eine Hoffnung, der Ernstfall ist der falsche Moment, um zu merken, dass es nicht startet
DSGVO-Bezug (siehe Modul 4): Retention-Regeln nicht nur nach Recovery-Bedarf, sondern auch nach dem Löschkonzept planen – wird ein Datensatz im Produktivsystem gelöscht, sollte er nicht unbegrenzt lange in alten Backups fortleben; die GFS-Fristen liefern damit gleichzeitig eine sinnvolle Obergrenze für beides